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Was ist Abgrenzung für Sie?
Der Begriff Abgrenzung hat für mich 2 Facetten:
  • Jede pauschale Abgrenzung von Menschen aufgrund ethischer Zugehörigkeiten, Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, Religion usw. ist negativ und gefährlich, denn diese Abgrenzung geht sehr oft einher mit einer Diskriminierung dieser Gruppen. Eine intellektuelle und faire Auseinandersetzung mit Religionen, Parteien etc. muss selbstverständlich möglich sein. Gefährlich wird es, wenn Grundlage dieser Abgrenzung unreflektierte Vorurteile sind, häufig basierend auf dem Gefühl der eigenen Überlegenheit. Hierbei handelt es sich nicht selten um Ventile zur Kompensation eigene Minderwertigkeitsgefühle zu Lasten der anderen Gruppen.
  • Abgrenzungen gegen ungewollte und z.T. stark manipulative Einflussnahmen auf die eigene Person können ein wichtiges Instrument des Selbstschutzes sein. Bekannte aber auch Partner, Familienangehörige, Gruppierungen wie religiöse oder politische Gemeinschaften und last not least Vorgesetzte und/oder Kollegen können durchaus aus sehr unterschiedlicher Motivation heraus eine Einflussnahme auf die eigene Persönlichkeit planen, starten und über einen längeren Zeitraum durchführen. Häufig ist es nicht leicht, „gut gemeinte“ Fürsorge und Ratschläge gegen weitergehende Manipulation abzugrenzen. Nicht selten sind die Grenzen fließend. und es ist schwierig, nachhaltige Manipulationsversuche rechtzeitig zu erkennen. Hierbei ist eine Abgrenzung der eigenen Persönlichkeit im Sinne von „bis hierher und nicht weiter“ unerlässlich.
Gegen was oder wen grenzen Sie sich ab?
  • Gegen Gruppierungen, die eine pauschale Abgrenzung betreiben und gegen alle Menschen, die manipulativ auf mich einwirken wollen, um eigene Ziele zu erreichen, die sich nicht mit den meinen decken.
  • Gegen unangemessenes Verhalten anderer Menschen. Unabhängig ob es Nahestehende, Verkaufspersonal, Verkehrsteilnehmer oder andere Personen sind.
In welchen Situationen sind Sie erfolgreich mit Ihrer Abgrenzung?
Relativ leicht fällt mir die Abgrenzung von manipulativ agierenden Gruppierungen. Schwieriger ist die Abgrenzung von Menschen aus dem näheren Umfeld, da Grenzüberschreitungen fließend sind.
 
Wie genau funktioniert Ihre Abgrenzung, das heißt wie verhalten Sie sich, wenn Sie sich abgrenzen?
In entsprechenden Situationen bemühe ich mich klar anzusprechen, dass eine Grenze überschritten wird. Bei kleineren „Vergehen“ reicht häufig eine humorvollere Verdeutlichung aus (z.B. als ich einen Laden betrat und die Verkäuferin zu einer Kundin sagt, es gehe heute zu wie im Taubenschlag. Als ich fragte, welche Art von Taube ich denn sei, war sie peinlich berührt und erkannte die Unangemessenheit dieser Aussage).
Im persönlichen Umfeld reduziere ich den Kontakt oder breche ihn ab, sofern es sich um nachhaltige, schwerwiegende Fälle handelt.
 
Haben Sie diese Verhaltensweise bewusst erlernt oder funktioniert Ihre Abgrenzung intuitiv, automatisch?
Ich bemühe mich mittlerweile bewusst, unangemessene Ansprachen anderer Menschen klar anzusprechen. Hierbei ist jedoch Fingerspitzengefühl notwendig, denn es kann ansonsten leicht zu einem Schießen von Kanonenkugeln auf Spatzen ausarten.
Bei gravierenden Vorgängen bin ich heute sehr wachsam. Da ich mir mittlerweile die gezielte Manipulationsabsicht, im Extremfall von soziopathischen und psychopathischen Persönlichkeiten, die in sehr unterschiedlicher Intensität, in unser aller Leben vorhanden sind, bewusstgemacht habe, bemühe ich mich mittlerweile entsprechende Muster früher zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
 
Würden Sie Ihre „Abgrenzungs-Strategie“ anderen Personen empfehlen? Bitte begründen Sie Ihre Antwort.
Sofern eine Aussage oder ein Verhalten anderer Menschen als diskriminierend und/oder verletzend erlebt wird, rate ich dies deutlich anzusprechen. Häufig wird dem Gegenüber erst dadurch bewusst, dass eine Grenzüberschreitung stattgefunden hat bzw. es wird respektvoller agiert.
Eine Empfehlung bei nachhaltigen Grenzüberschreitungen ist schwierig, da die Erkenntnis manipulativer Machenschaften nicht leicht ist und es sich häufig um einen langwährenden Prozess handelt, in dem Grenzen allmählich aufgeweicht und verschoben werden. Dies ist umso schwieriger, bei Menschen, denen wir viel Sympathie entgegenbringen und /oder die eine Art Machtposition ausüben z.B. als Vorgesetzter.
 
In welchen Situationen können Sie Ihre Abgrenzungs-Strategie nicht anwenden?
Immer dann, wenn ich mich als wirtschaftlich abhängig sehen würde, ist dies eine eher schwierige Situation. Dies ist in meiner derzeitigen Lebensphase (Rente) jedoch eher unwahrscheinlich, es sei denn es handelt sich um eine extreme Situation wie Geiselnahme.
 
Welche weiteren Arten bzw. Strategien der Abgrenzung beobachten Sie in Ihrem Umfeld?
Bislang keine besonderen Beobachtungen
 
Wären diese Formen der Abgrenzung auch für Sie denkbar? Warum/warum nicht?
s.o.

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